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Neubau der St.-Laurentius-Schule macht Abriss
der Dr.-Franz-Daniel-Halle erforderlich

Das Therapeutische Reiten in Herxheim muss Ende des Jahres eingestellt werden.

erstellt am 15.05.2020

Seit 1980 profitieren Menschen mit Behinderung vom Angebot des Therapeutischen Reitens in Herxheim. Auf eine Initiative von Dr. Franz Daniel hin – er war Gründer der Aktionsgemeinschaft Therapeutisches Reiten e.V. – war zu diesem Zweck eine Anlage an der Speyerer Straße errichtet worden. Elmar Weiller, langjähriger Vorsitzender des Vereins und Bürgermeister von Herxheim, trat  2011 mit der Bitte an die Lebenshilfe Südliche Weinstraße heran, das Therapeutische Reiten in der und rund um die Dr.-Franz-Daniel-Halle zu betreiben. Die Aktionsgemeinschaft sah sich selbst dazu nicht länger in der Lage. Eine Nutzungsvereinbarung zwischen der Aktionsgemeinschaft und der Südpfalzwerkstatt gGmbH, deren Trägerin die Lebenshilfe Südliche Weinstraße ist, ermöglicht es, Trainingseinheiten mit entsprechend ausgebildeten Fachkräften durchzuführen, die den Richtlinien des Deutschen Kuratoriums für Therapeutisches Reiten entsprechen. 

Der Kontakt zwischen Mensch und Pferd stärkt die sozialen und motorischen Fähigkeiten. Wenn die Teilnehmer zum Beispiel eines der Therapiepferde am Boden führen, lernen sie, das Verhalten des Tieres zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Von diesem Angebot profitieren nicht nur Kinder und Jugendliche mit Entwicklungsverzögerungen, sondern Menschen mit unterschiedlichen Problemen und in unterschiedlichen Lebensphasen. Eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie sind entsprechend ausgebildete Pferde. Das Therapiepferd muss jedem einzelnen Menschen immer wieder unvoreingenommen begegnen. Außerdem braucht es saubere und regelmäßige Bewegungsabläufe. Vor dem Therapieeinsatz steht in der Regel eine rund einjährige Ausbildung der Tiere.

Das Grundstück, auf dem die Reithalle steht, gehört dem Caritasverband für die Diözese Speyer, die es der Aktionsgemeinschaft Therapeutisches Reiten verpachtet hat. Zum Ende des Jahres 2020 hat die Caritas den Pachtvertrag gekündigt. Sie benötigt das Areal für den geplanten Neubau der St.-Laurentius-Schule. In Anbetracht dieser Tatsache muss die Dr.-Franz-Daniel-Halle abgerissen werden, um Platz für den Neubau der Förderschule zu schaffen. Wegen der Corona-Pandemie konnte bislang noch keine entsprechende Mitgliederversammlung der Aktionsgemeinschaft stattfinden.

Der Verlust der Reithalle bedeutet jedoch zugleich das Aus für das Angebot des Therapeutischen Reitens zum Ende des Jahres. Einen Neubau kann sich die Aktionsgemeinschaft nicht leisten. Der Verein verfügt über kaum Eigenmittel. Alle bisherigen Einnahmen und Spenden wurden für den Bau der Reithalle, den Unterhalt der Anlagen und den Betrieb der Reittherapie benötigt.

Vor diesem Hintergrund wurden unterschiedliche mögliche Alternativen zu einem Neubau intensiv geprüft – allerdings ohne das erhoffte Ergebnis. Auch mit der Gemeinde Herxheim sind Gespräche geführt worden. „Es fällt uns sehr schwer, diesen Schritt zu gehen“, bedauert Marina Hoffmann, Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft und Geschäftsführerin der Lebenshilfe. „Gerne würden wir dieses wertvolle Angebot für Menschen mit Behinderung aufrechterhalten, aber wir sehen leider keine Möglichkeit.“ Beispielsweise wäre die Mitnutzung bestehender Reithallen keine Option: Die Dr.-Franz-Daniel-Halle dient ausschließlich dem Therapeutischen Reiten. Viele Therapie-Einheiten finden am Nachmittag oder in den Abendstunden statt. Ohne eine Halle zur alleinigen Nutzung müssten erhebliche Einschnitte bei der Qualität und vor allem bei der Quantität der Therapie in Kauf genommen werden. Die große Anzahl an Therapieeinheiten am und auf dem Pferd würde durch die gemeinsame Nutzung einer Reithalle mit anderen Pferdefreunden stark eingeschränkt. Gleichzeitig würden weiterhin alle Kräfte gebraucht. Insgesamt sind inzwischen acht Therapiepferde im Einsatz, zudem sind zwei Reitpädagoginnen beschäftigt. Hinzu kommt ein vierköpfiges Stallteam. Die fest angestellten Mitarbeiter werden auch über die Schließung des Therapeutischen Reitens hinaus in Einrichtungen der Lebenshilfe Südliche Weinstraße tätig sein.

Angesichts der Corona-Pandemie ist das Angebot des Therapeutischen Reitens derzeit stark eingeschränkt. Zuvor nutzten in Einzelförderung sowie in Gruppen von bis zu fünf Personen wöchentlich rund 50 Menschen das Angebot des Therapeutischen Reitens in Herxheim. Etwa zwei Drittel von ihnen kamen aus Einrichtungen der Lebenshilfe Südliche Weinstraße, ein Drittel waren beziehungsweise sind externe Klienten. Pro Jahr wurden so mehr als 900 Therapie-Einheiten durchgeführt. Bis zur vorübergehenden Schließung der Südpfalzwerkstatt ab dem 23. März 2020 waren täglich bis zu fünf Mitarbeiter mit Behinderung im Stall tätig. Die Lebenshilfe Südliche Weinstraße hat seit 2011 kontinuierlich investiert – etwa in Personal, in Pferde und in den Stalltrakt.

Fünf der Therapiepferde, die derzeit in den Stallungen in Herxheim untergebracht sind, gehören der Lebenshilfe Südliche Weinstraße. Zwei davon erhalten ihr Gnadenbrot. Dafür wird die Lebenshilfe auch in Zukunft sorgen, nicht zuletzt mit Unterstützung ehrenamtlicher Helfer. Bezüglich der übrigen Therapiepferde laufen Gespräche mit vergleichbaren Einrichtungen, um eine gute Lösung für die Tiere zu finden.

Gleichberechtigung und Teilhabe für Menschen mit Behinderung: Dafür setzt sich die Lebenshilfe Südliche Weinstraße seit 1964 ein. Als Elternverein gegründet, hat sie sich im Laufe der Zeit zu einer leistungsstarken Organisation entwickelt, die inzwischen fast 300 Mitglieder zählt. Heute ist sie mit ihren vielfältigen Einrichtungen ein bedeutender Anbieter der umfassenden Hilfe für Menschen mit Behinderung in der Südpfalz.



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